Der Luxus, im Web zu bezahlen

Während sich die Manager vieler produzierender Branchen in der Krise die Haare ausraufen, sehen manche Webbetreiber ausgesprochen gelassen in die Zukunft. Zu ihnen gehören soziale Netzwerke, die aus Mitgliedsbeiträgen finanziert werden, und Datingseiten, deren Kundenteils recht hohe Eintrittspreise von der Kreditkarte abgezogen werden. Die Begründungen sind unterschiedlich, doch für alle Beteiligten steht fest: Erst in der Krise leistet man sich den Luxus, Dienstleistungen genauer anzusehen. Was herausfällt, so glauben Fachleute, ist das "laue Mittelsegment" – entweder die Leute "kaufen" beim billigen Jakob oder sie gehen gleich zu den ersten Adressen im Web – denn wozu bitte, soll Mittelmaß gut sein?

Das ist anders als bei den Luxusgütern, die nur dazu da sind, um zu imponieren, aber die keinen echten Mehrwert bieten. Dazu gehören zum Beispiel Luxusuhren, die für ihre mehr als 10.000 Euro im Prinzip weniger Aufmerksamkeitseffekt bieten als eine Designeruhr für unter 1000 Euro – und die Zeit messen beide zuverlässig.

Der Mehrwert bei den Web-Bezahldiensten liegt hingegen auf der Hand: Wer wenig Zeit hat und einen Geschäfts- oder Privatkontakt sucht, muss zwangsläufig auf Qualität setzen und will sich nicht im Gestrüpp der vielen Zweitklassierten verirren. Deshalb wählen qualitätsbewusste Menschen beispielsweise auf XING für die Geschäftskontakte und Parship für die Partnersuche. XING beispielsweise muss kaum Konkurrenz fürchten und konnte 2008 konnte mit 35 Millionen Euro den Umsatz um 80 Prozent erhöhen – im gleichen Zeitraum stieg der Gewinn nach Presseberichten auf 13 Mio. Euro.

In dem USA ist es ähnlich. Hier zittert die Branche eher davor, dass die "guten alten Zeiten" durch Obama wieder zurückkommen – denn in der Krise gewinnt nun mal Qualität, während in phasen der Prosperität auch viele Glücksritter ihr Geschäft machen.


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