HiFi – ein Luxusgut und sein Alltag

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"Das Problem beim Musikhören", so wird Ihnen jeder Musiker sagen, "sind Sie – sie hören nur, was sie hören wollen". Nun sind Musiker (übrigens genau wie Schriftsteller) überwiegend weder Spitzenstars noch Spitzenverdiener. Das bedeutet in der Praxis, dass kaum ein Musiker eine 20.000-Euro HiFi-Anlage hat. Wenn überhaupt Geld übrig bleibt, wird in das Instrument investiert.
Die Biologen, Physiker, Akustiker und Ingenieure wiegen fast alle bedenklich den Kopf, wenn von "naturgetreuer" Klangqualität die Rede ist. "Die Probleme fangen bei den unrealistischen Aufnahmebedingungen an und hören bei der lächerlichen Raumakustik noch lange nicht auf", wissen wirkliche Fachleute zu berichten.
Dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – haben Menschen Geräte ersonnen, die nun einmal nicht "jeder hat". Sie stehen überwiegend in den falschen, weil viel zu kleinen Räumen und gelegentlich werden auf ihnen Aufnahmen von King Olivers Creole Jazz band gespielt, aber das tut der Freude keinen Abbruch. Wichtig ist der Name, der vorne draufsteht. "Irgendwie ist das so", sagt mir jüngst einer der verbliebenen Enthusiasten der matt glänzenden Kisten, "als wenn du einen Jaguar fährst – der ist völlig ungeeignet für die Stadt, aber du fährst in eben trotzdem".
"Der Markt", so sagen viele Ex-HiFi-Händler, "ist doch tot – HiFi kann heute jedes Handy", doch auch sie haben nicht ganz recht, denn wo immer eine einst exklusive, aber anfällige Technik zum Massenprodukt hochschwingt, bleiben einige Firmen übrig, die das Luxusgut "Radio" weiterhin pflegen, das heute "High End Audio" heißt. Das ist beim Auto so, bei der Spiegelreflexkamera und eben beim – Pardon, Musikschrank neuester Prägung. So ab etwa 10.000 Euro beginnen die Musikanlagen der Königsklasse und das Limit? "Gegen eine Viertel Millionen Euro ", behaupten Kenner.
Indessen bleiben manche vorab eingebrannten Röhren (ja, so etwas gibt es auch noch) und der kunstvoll gealterten Lautsprecherchassis in der Praxis ziemlich ungenutzt. "Ach wissen Sie, ich komme eigentlich gar nicht zum Musikhören", sagte mir einmal ein Besitzer einer solchen Musikanlage – und außerdem, "Glauben Sie, ich kann meine 2000 Langspielplatten wirklich noch alle einmal alle hören?"
Ich habe ihn gar nicht nach CDs gefragt – aber auf dem Tisch lag eine Platte von Jelly Roll Mortons "Red Hot Peppers".
Bild: Werbung für eine Musiktruhe.