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Ist gutes Design Luxus?

abgelegt im Archiv Haus und Heim am 28.02.10

Ist gutes Design Luxus?



"Wir haben auch Designer-Möbel", sagte mir vor langer Zeit einmal eine schwäbische Möbelverkäuferin - und zeigte mir dann einige kuriose Scheußlichkeiten aus Holz und Metall. Nun war das nicht ganz das, was ich mir vorstellte - aber dennoch: Designer-Möbel sind sie alle, denn entworfen hat sie ja irgendwann einmal jemand. Die Frage ist nur, was er sich dabei gedacht hat und ob die Sache sinnreich war. Bei modernen Klassikern wird man bald zustimmen, bald nicht - je nachdem, wie klug man gekauft hat. Echte Jenaer Glasschüsseln waren beispielsweise von vornherein nicht nur hitzebeständig, sondern von edelstem Design.

Deutsche kauften jahrzehntelang kein "gutes Design", denn wer kein Geld hatte, kaufte billig und stillos und wer welches hatte, kaufte teuer und noch bei Weitem stilloser - und so ziemlich der Gipfel der Stillosigkeit waren sogenannte "Stilmöbel".

Ich erinnere mich noch gut an die "wilden" 1970er Jahre, als einzelne Geschäfte erstmals preiswerte Designermöbel anboten - die meisten davon waren entstammten Serien, die ursprünglich für die Anwendung im gewerblichen Bereich hergestellt wurde: stabile, universelle Holzregale zum Beispiel. Wieder einmal wurde deutlich: Gutes Design muss keinesfalls teuer sein, und ein wirklich guter Geschmack im Detail ersetzt in jedem Fall teure Designereinrichtungen. Zudem erwies sich bald, dass selbst antiquarische Möbel und Schreinerarbeiten oft billiger waren als teuer Designermarken.

Sicher - da war auch noch ein großes schwedisches Möbelhaus. Es brachte zunächst ein vereinheitlichtes, an rauen Holzfassaden orientiertes Möbeldesign heraus, das sich sehr gut mit dem Prädikat "jugendlich" verkaufen ließ - und äußrest billig war. Aber waren es wirklich stilvolle Wohnungen, die damit eingerichtet wurden?

Heute tendiert man mit Recht wieder zur luftigen, leichten Einrichtung im Stilmix. Das heißt nicht, dass man ganz auf Massenmöbel verzichten muss - Bücherregale beispielsweise wirken durch das, was drin ist und nicht durch Bretter und Leitern - und jede Wohnung, auch die einfachste, wird durch gezielt eingesetzte Dekorationselemente verschönert.

Main Rat: Auf gar keinen Fall auf den Luxus guten Designs verzichten. Wer behauptet, es sich nicht leisten zu können, sollte sich überlegen, 20 Prozent seines Budgets in einem einzigen, teuren Möbel anzulegen und bei den restlichen 80 Prozent vorläufig etwas kürzer zu treten.

"Jenaer Glas" gibt es zum Beispiel stilvoll bei Manufactum.

Die vom Bremer Designer Wilhelm Wagenfeld entworfenen Produkte finden Sie hier.

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