Luxus passt nicht in die Zeit – oder doch?

Luxus passt nicht in die Zeit â€
© JMRosenfeld

Krisen sind ja nicht wirklich neu: Sie gab es schon immer, und es schient, als würden sie insbesondere in Deutschland auch noch heftig zelebriert: Jede Nachrichtensendung scheint sich zu eignen, minutiös den Stand der Krise festzustellen.

Wie geht es den Luxusartikelherstellern in der Krise? Nun, der Sportwagenhersteller Wiesmann will wissen, dass Deutsche sich auch beim luxus zurückhalten. Denn zwar könnten sich viele Mittelständler durchaus einen schicken Sportwagen leisten, den nicht jeder hat, doch: "Es passt für viele nicht in die Zeit, so etwas jetzt zu tun".

Welchen Luxus leistet man sich nun noch bei den Reichen, und welchen nicht? Es schient, als würde man sich auf eine Tugend besinnen, die in manchen Köpfen schon lange als die bessere Lösung gilt: Nicht mit Luxus protzen, sondern sich Luxus leisten. Die "Deutsche Welle" fragte beispielsweise bei einem Maßanzughersteller nach – und der konnte nicht klagen. Im Gegenteil, so sagte er dem Sender, hätte man "zunehmende Nachfrage und … so teure Anzüge wie noch nie verkauft" – und das will etwas heißen, denn der billigste Anzug bei diesem Maßschneider kostet ungefähr 2500 Euro.

Juweliere sind traditionell verschwiegen, wenn es um ihre Kundschaft geht, doch dies wird auch verraten: Man unterscheidet in der Branche die "wahren Luxusgüter", also wirklich edle und handwerklich gediegene Schmuckstücke, die "Emotionen übertragen" und solche, die "nur teuer" sind, aber keinen realen Gegenwert darstellen. So unglücklich scheint der befragte Juwelier also nicht zu sein – er hat die Hoffnung, dass sich die Spreu vom Weizen trennen wird und die Krise einen "reinigenden Effekt" habe.

Auf eine einzige Formel gebracht, könnet des bedeuten: Luxus ist krisenfest, solange er nicht allzu sichtbar nach außen getragen wird. Denn für Maßanzugträger, wie auch für Schmuckträgerinnen gilt: Den genauen Wert kann ein Fremder nicht ermessen, aber man sieht einfach blendend damit aus und freut sich daran.

Gelesen bei: Deutsche Welle.


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