Luxusuhren: Vom Mythos der Manufakturen

Luxusuhren: Vom Mythos der Manufakturen

Kaum ein anderes Produkt eignet sich so gut zur Verfeinerung und Ausarbeitung wie eine Armbanduhr. Armbanduhren sind im Supermarkt schon für wenige Euro zu haben, doch wer ein Meisterstück von Glashütte, Blancpain oder anderen Luxusmarken sein Eigen nennen möchte, der muss schon tief in die Tasche greifen.

Eine Besonderheit stellen die so genannten Manufaktur-Uhren dar, Uhren, die zum größten Teil per Hand hergestellt wurden und bei denen die Einzelteile einer besonderen Pflege und Qualitätskontrolle unterzogen werden.

Bis ins Jahr 1864 war eigentlich jede Uhr eine Manufaktur-Uhr, denn erst zu diesem Zeitpunkt entstanden in Schramberg (Junghans) und Schaffhausen (IWC) die ersten Uhrenfabriken. So schreibt das Handelsblatt über die einsetzende Massenproduktion:

An dieser arbeitsweise einer Manufaktur hat sich bis heute nichts Grundsätzliches verändert, nur dass die Maschinen für die Bauteilfertigung größer, teurer und präziser sind. Die computergesteuerten Fräsen arbeiten auf Tausendstel-Millimetergenau, ebenso die Schneidemaschinen, deren Schnittdrähte dünner sind als ein menschliches Haar.

Zusammengesetzt werden die Uhrwerke schließlich aber von Menschen.

Doch Manufaktur ist nicht Manufaktur: Denn während in einer Fabrik FacharbeiterInnen Uhrwerk für Uhrwerk zusammenschrauben, brauchen die Uhrmachermeister bei Blancpain rund ein Jahr bis ein Meisterstück wie die "1735" aus rund 740 Einzelteilen zusammengesetzt ist.

Das kommentiert der britische Meisteruhrmacher George Daniels, Erfinder der koaxialen Hemmung, gerne etwas ketzerisch: Wenn dem Uhrmacher nichts mehr einfällt, konzentriert er sich aufs Finish." Bei Glashütte Original, deren Uhrmachern man kaum mangelnde Kreativität unterstellen kann, betreibt man die Veredelung bis zum Exzess. Da werden Hebelchen, die später unsichtbar im Uhrwerk verschwinden, mit einem Stück Zinn und Polierpaste so lange bearbeitet, bis auch unter der Lupe kein Krätzerchen mehr zu sehen ist. Eine technische Verbesserung ergibt sich daraus nicht, wohl aber ein höherer Preis, der offensichtlich von der geneigten Kundschaft auch bezahlt wird. Luxus beginnt eben dort, wo das Notwendige endet.

So empfiehlt es sich insbesondere bei Luxusuhren darauf zu achten, ob die gesamte Uhr von Hand zusammengesetzt wurde oder ob nur einige wenige Meisterstücke mit Manufakturkalibern ausgestattet sind, während der Rest der Kollektion aus der Fabrik kommt.


Leave a Reply

Impressum